[RPG a Day 2021] „Kleine“ Kampagnenaufhänger

Rollenspiel

Oft geht es im Rollenspiel um große Geschichten epischen Ausmaßes. Reiche werden gestürzt, Welten gerettet, Dämonenfürsten verbannt.

Aber muss es immer um solche Superlative gehen?

Rollenspiel kann mindestens ebenso schön (wenn nicht sogar schöner) sein, wenn es um viel kleinere Dinge geht.

Das heißt nicht, dass es dadurch weniger dramatisch sein muss.

Wenn die Geschichte sich darum dreht, einem Haufen Straßenkindern eine neue sichere Zuflucht zu organisieren, das Werk eines umweltschädigenden Konzerns dichtzumachen, ein Heilmittel zu einer abgelegenen Siedlung zu bringen, dann haben all diese Handlungen (oder ihre Unterlassung) eine große Auswirkung auf das Leben der betroffenen Leute. Und naturgemäß kann sich daraus immer noch mehr entwickeln – alles hat Auswirkungen, auch solche Kleinigkeiten.

Gut, das abgedroschene Beispiel mit dem Schmetterlingsflügelschlag erspare ich euch mal, aber für eine lebendige Spielwelt ist es tatsächlich hilfreich, wenn die Aktionen der SCs zu Wellen führen, die sich auch an anderer Stelle auswirken.

Einige Ideen für bodenständige system- und settingagnostische (Kurz-)Kampagnenszenarien, die man aufs jeweilige Spiel anpassen kann:

(1) Die SCs sind Angehörige einer aufsteigenden Verbrecherorganisation (Kartell, Syndikat, Gang, Mafia,Gilde,…), die sich in der lokalen Unterwelt hocharbeiten möchte. Sowohl die Obrigkeit ist ein Problem, als auch der sich abzeichnende drohende Krieg mit einer anderen Organisation. Jene scheint aber einen Trumpf im Ärmel zu haben – sie haben mit ihrem Business immer die Nase vorn, ihre Truppen sind besser ausgestattet, und sie scheinen Informationen aus Regierungskreisen zu bekommen.

(2) Durch Seuchen und Krieg sind die meisten Erwachsenen der Siedlung gestorben. Die größeren Kinder und Halbstarken versuchen nun, sich irgendwie durchzuschlagen. Vielleicht ziehen sie durchs Land, um ein neues, weniger zerstörtes Zuhause zu finden. Vielleicht schließen sie sich einer Gruppierung an, oder werden von Menschenhändlern bedroht. Vielleicht versuchen sie aber auch, ihre Heimat wiederaufzubauen und irgendwo die nötigen Ressourcen zu erarbeiten oder ergaunern.

(3) Als eine Einheit betraut mit der kriminalistischen Drecksarbeit ihrer Gemeinschaft ist die Gruppe immer wieder inmitten des schmutzigen Alltagsgeschäfts – ohne dafür je irgendwelche Lorbeeren zu ernten. Routineermittlungen, Kleinkriminelle, Papierkram. Der Alltag ist strapaziös, und oftmals sind die arroganten Leute von der Spezialeinheit in ihrem Drang sich ins Rampenlicht zu stellen das größte Ärgernis des Jobs. Und dann fällt der Hammer – die Einheit soll dichtgemacht werden, ihnen werden sämtliche Befugnisse und der Job, ihr gesamtes Einkommen, entzogen. Wird die Gruppe sich ein neues Standbein erarbeiten oder versuchen, ihren Wert unter Beweis zu stellen?

(4) Als wandernde Schausteller / Mitglieder eines Zirkus / aufstrebende Band versucht die Gruppe, sich einen Platz in den Herzen der Zuschauermenge zu erkämpfen. Konkurrenz, finanzielle Probleme und regelmäßige kreative Schaffenskrisen müssen überwunden werden auf dem Weg zur Spitze und zu neuen Tourorten.

(5) Das mobile medizinische Notfallteam greift da ein, wo andere Strukturen versagen. Auf dem Schlachtfeld, Schüler einer Heilkundeakademie, als Betreiber einer privaten Klinik in einem armen Stadtviertel oder als Doc Wagon für Arme mit eigenem Versicherungstarif – die SCs sind immer da, wo Verwundete versorgt und Kranke verarztet werden müssen. Das Geschäft läuft dabei mäßig, und die Stadtoberen sind meist auch keine Hilfe mit all den Hürden, die sie errichten. Dass ein Konkurrent die eigene Praxis aufkaufen oder aber dank angeheuerter Schläger verwüsten will, macht es nicht einfacher. Und als der einzige Wagen des Betriebs dann auch noch kaputt ist, muss schnell Ersatz her. Das Betreiben einer medizinischen Einrichtung ist eine ungewöhnliche Herausforderung, und wenn es gilt, einen Patienten vorm Zugriff des Gesetzes zu schützen, müssen manchmal die Regeln ein wenig gebeugt werden.

(6) Die SCs sind Mitarbeitende einer Zeitung / eines Piratensenders irgendwo in einer versifften Gegend. Recherchen zu korrupten Cops und Politikern bringen schnell unerwünschte Aufmerksamkeit, und welcher Konzern möchte schon gern in den Nachrichten seine neusten Umweltsünden breitgetreten wissen. Wie wirken die Nachrichten sich auf die Gemeinschaft aus? Macht der größte Arbeitgeber der Stadt dank einer Offenlegung seiner Verfehlungen dicht, findet die Gruppe sich schnell einer feindseligen Menge gegenüber, die ihre Existenzgrundlage verloren hat. Wer zu tief gräbt, wird schnell zum Schweigen gebracht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s